Predigt zu Erntedank (03.10.2020 in Udenheim)

 

 

Predigt: Ein anderer Sommer, ein anderes Jahr

 

Corona hat in diesem Jahr massiv in unser Leben und in unsere Wirtschaft eingegriffen. Der zeitweise Lockdown und die Beschränkungen, die geblieben sind, stellen viele Existenzen in Frage. Nicht jeder kann sich auf staatliche Hilfe oder angemessene Unterstützung verlassen. Und die wirtschaftlichen Aussichten bleiben weiterhin für manche trübe, solange das Virus uns an Leib und Seele bedroht.  

 

„Auch der Klimawandel trägt dazu bei, dass Erntedank und Ernährung wieder politisch geworden sind. Für die Rinderzucht in Deutschland wird der Amazonas-Regenwald zerstört. Dem Agrarsektor wird ein hoher Anteil am Klimawandel zugesprochen. Und während die Welthungerhilfe angesichts der Corona-Krise vor einem Anstieg der Zahl der Hungernden auf eine Milliarde Menschen weltweit warnt, wandern in Deutschland jährlich rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel auf den Müll.“ (Aus: Kirche + Leben online)  

 

Wir leben in Zeiten des Wandels. In vielen Regionen Deutschlands haben Landwirte das dritte Jahr in Folge mit ausbleibendem Regen und großer Trockenheit zu kämpfen. Wir erleben Wetterextreme, die schwer zu beherrschen sind. Heißere Temperaturen und zu viel Sonne führen zu Ernteeinbußen. Und die Frage stellt sich, wie die Landwirtschaft diesem Klimawandel und dem geforderten Umweltschutz begegnen kann.

 

Aus Schule ist in diesem Jahr plötzlich Homeschooling geworden. Für Lehrer und Schüler eine völlig neue Situation. Für Eltern häufig eine unerwartete Belastung. Dabei hat sich gezeigt, wie sehr es vieler Orts an schnellem Internet, an nötigem Knowhow und Wissen, an der nötigen Hardware fehlt. Und manchmal fehlt es auch an der Bereitschaft, sich umzustellen und auf neue Lerngegebenheiten einzustellen.

 

Für viele Arbeitnehmer war auf einmal Homeoffice angesagt. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen fehlte plötzlich. Zuhause leben und arbeiten, zwischen Haushalt und Kindern, manchmal auf engstem Raum, hat seine eigenen Probleme und die eine oder andere Beziehung arg strapaziert. Abstand zu anderen halten, keine großen Feste feiern, nicht mal im Familienkreis, auf den verdienten Urlaub möglichst verzichten, alles nicht ganz einfach.

 

Wer im Seniorenheim lebte, sah sich plötzlich der Einsamkeit gegenüber. Besuche waren auf einmal aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht mehr möglich. Selbst Menschen, die im Sterben lagen, waren mit sich allein. Auch wer in dieser Zeit im Krankenhaus war, hat diese Erfahrung gemacht. Besuche, wenn überhaupt, waren nur sehr eingeschränkt möglich. Das hat eine Genesung nicht gerade erleichtert und die Seele zusätzlich belastet.

 

Es war ein anderes Jahr. Weit weg von Normalität. Also weit weg von all dem, was wir bis dahin für so selbstverständlich gehalten haben. Keine Gottesdienste an Ostern. Das hat es doch noch nie gegeben. Hochzeiten ausgefallen, Konfirmation verlegt. Singen in der Kirche verboten, Abendmahl untersagt. Wir mussten neue Wege gehen. Wie auch heute an unserem Erntedankfest, draußen – Wind und Wetter, Sonne und Regen ausgeliefert.

 

So ist das vielleicht auch ein prägendes Bild für dieses andere Jahr: Den Unwägbarkeiten ausgeliefert zu sein. Sich im wahrsten Sinne des Wortes warm anziehen zu müssen. Sich trotz alledem nicht kleinkriegen lassen. Den Widrigkeiten zu trotzen. Seinen Humor nicht verlieren und schon gar nicht die Hoffnung, die unseren Kopf über Wasser hält.

 

Und wir haben auch die Erfahrung in dieser Krise gemacht, wie die Sehnsucht nach menschlicher Nähe gestiegen ist. Menschliche Aspekte sind verstärkt in den Vordergrund gerückt. Man hat sich umeinander gekümmert, man war füreinander da, man hat Besorgungen und Einkäufe für andere getätigt, man hat mal wieder telefoniert und sich erkundigt. Man hat Kontakt gehalten oder Kontakte aufgefrischt. 

 

„Als Zeichen der Solidarität mit dem Krankenhauspersonal, das unter erschwerten Bedingungen gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus kämpfte, hallte tagelang abends immer wieder Applaus durch die Straßen Europas. An ihren offenen Fenstern und von Balkonen klatschen die Menschen in verschiedenen deutschen Städten.“  (Aus Spiegel online) Dank sei all denen, die ihre Gesundheit für andere riskiert haben.

 

Wir danken heute. An diesem Erntedankfest. Auch wenn es ein anderes Jahr ist und war. Für das, was wir haben. Für das, was uns geschenkt wurde. Für das, was wir nicht immer sehen und in genügender Weise wertschätzen. Für das, was unser Leben erhält und bereichert. Für das, was unserer Seele guttut. Für das, was uns Hoffnung und Zuversicht gibt

 

Amen.

 

© Kurt Rainer Klein

 

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