Predigt zum Trinitatis (16.06.2019 Schornsheim/Udenheim)

 

Predigt

 

Ich will

dir

mit

meiner Predigt

 

nicht

den Kopf waschen,

 

nicht

die Leviten lesen,

 

nicht

den Marsch blasen,

 

sondern

 

dir 

Ermutigung schenken,

 

dir

Freiheit aufzeigen,

 

dich

in Bewegung setzen.  

 

Kurt Rainer Klein

 

 

Bibeltext:  2. Korinther 13,11-13         

 

2. Korinther 13,,

11 Im Übrigen, Brüder und Schwestern, freut euch, kehrt zur Ordnung zurück, lasst euch ermahnen, seid eines Sinnes, haltet Frieden! Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.

12 Grüßt einander mit dem heiligen Kuss! Es grüßen euch alle Heiligen.

13 Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

                                                                                                          

 

Predigt: Frieden!  

 

Paulus macht den Korinthern Mut: "Zuletzt, liebe Brüder, freut

         euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt

         einerlei Sinn, haltet Frieden!" Schon aus diesen Worten

         erschließen wir, dass die korinthische Gemeinde keine

         Vorzeigegemeinde des Apostels war. Wie soll sich eine

         Christengemeinde freuen, wenn sie Schwierigkeiten hat,

         das Geschenk der Versöhnung in Christus zu erkennen?

         Er bittet inständig darum, dass sie Bereitschaft zeigen,

         sich von ihren Abwegen auf den richtigen Weg zurück-

         bringen zu lassen. Ermahnungen muss Paulus den Korinthern

         ins Stammbuch schreiben, weil sie das eine Evangelium

         verwässert haben, dass er ihnen gepredigt hat. 'Haltet

         Frieden' ruft der den zerstrittenen Christen zu, die die

         Gemeinde in unterschiedliche Lager gespalten haben. Es

         ist spannend die beiden Korintherbriefe zu lesen, um

         sich ein Bild zu verschaffen, mit wie vielen Problemen

         eine frühe Christengemeinde zu kämpfen hatte. Wer also

         meint, unsere Gemeindesituation mit damals vergleichen

         zu müssen, um zu dem Schluss zu kommen: 'Früher war alles

         viel besser!' irrt gewaltig. Seinen Glauben in einer Ge-

         meinschaft zu leben, hat zu allen Zeiten, früher wie

         heute seine vielschichtigen Probleme und Herausforder-

         ungen. Denn wo Menschen zusammenleben und zusammenarbei-

         ten, finden sich die unterschiedlichsten Meinungen. Was

         ja im Grunde auch als gut und bereichernd zu sehen ist.

 

Problematisch wird's im Wettbewerb der Vorstellungen und Ansich-

         ten, wo einer den anderen als Konkurrent erlebt. Da ge-

         rät die sachliche Diskussion auf eine persönliche Ebene,

         die dazu führt, dass der Frieden in Gefahr gerät. Plötz-

         lich stehen nicht mehr Themen im Brennpunkt der Ausein-

         andersetzung, sondern Menschen, die sich angegangen oder

         angegriffen fühlen, Menschen, die sich verteidigen müs-

         sen oder zum Angriff blasen, Menschen, die sich durch-

         setzen wollen, um über andere zu triumphieren, damit sie

         nicht selbst überrollt werden. Das ist im privaten wie

         beruflichen Leben anzutreffen. Das ist genauso in der

         Kirche und christlichen Gemeinde zuhause. Denn warum

         sollten die menschlichen Mechanismen und Reaktionsmuster

         gerade da mit einem Male ganz andere sein. Diese falsche

         Erwartung wäre eine Überforderung jedes Menschen. So re-

         alistisch muß man das schon sehen, dass bestimmte Wesens-

         züge Christen ebenso wie Nichtchristen eigen sind. Zumal

         wir alle aus dem gleichen Holz geschnitzt sind und die

         gleichen Gefühle und Emotionen an den Tag legen können.

 

Es war einmal ein großer Apfelbaum. Der stand genau auf der Gren-

         ze zwischen zwei Gärten. Der eine Garten gehörte Herrn

         Böse und der andere Garten gehörte Herrn Streit.

         Als im Oktober die Äpfel reif wurden, holte Herr Böse

         mitten in der Nacht seine Leiter aus dem Keller und

         stieg heimlich und leise auf den Baum und pflückte alle

         Äpfel ab. Als Herr Streit am nächsten Tag ernten wollte,

         war kein einziger Apfel mehr auf dem Baum.

         "Warte!"         sagte Herr Streit. "Dir werde ich's heimzahlen." –

         Und im nächsten jahr pflückte Herr Streit die Äpfel schon

         im September ab, obwohl sie noch gar nicht ganz grün

         und hart waren.

         "Warte!", sagte Herr Böse. "Dir werde ich's heimzahlen."

         - Und im nächsten Jahr pflückte Herr Böse die Äpfel

         schon im August, obwohl sie noch ganz grün und hart

         waren.

         "Warte!", sagte Herr Streit. "Dir werde ich's heimzah-

         len." - Und im nächsten Jahr pflückte Herr Streit die

         Äpfel schon im Juli, obwohl sie noch ganz grün und hart

         und sooo klein waren.

         "Warte!", sagte Herr Böse. "Dir werde ich's heimzahlen."

         Und im nächsten Jahr pflückte Herr Böse die Äpfle schon

         im Juni, obwohl sie so klein waren wir Rosinen.

         "Warte!", sagte Herr Streit. "Dir werde ich's heimzah-

         len." Und im nächsten Jahr schlug Herr Streit alle Blü-

         tenab, so dass der Baum überhaupt keine Früchte mehr

         trug.

         "Warte!", sagte Herr Böse. "Dir werde ich's heimzahlen."

         Und im nächsten Jahr im April schlug Herr Böse den Baum

         mit einer Axt um. "So", sagte Herr Böse, "jetzt hat

         Streit seine Strafe."

         Von da an trafen sie sich beide häufiger im Laden beim

         Äpfelkaufen.

 

Paulus macht uns wirklich Mut. Vielleicht ist da manchmal eine

         Portion Distanz nötig. Wenn zwei sich in die Haare gera-

         ten sind, ist es gut, einen Dritten zu finden, der den

         beiden Streithähnen hilft, sich wieder zurechtzufinden.

         Wir Menschen nehmen solche Beratungsgespräche viel zu

         selten in Anspruch. Vielleicht weil wir zu stolz sind.

         Vielleicht weil wir Angst haben, der andere könnte über

         uns triumphieren. Aber aus einer guten Beratung gehen

         beide gleichermaßen als 'Verlierer und Sieger' hervor.

         Jeder muss Federn lassen, aber jeder bekommt eine neue

         Sichtweise der Dinge, die ihn alles klarer sehen lassen.

         Es ist eine lohnende Sache für beide, die sich in ihrer

         Auseinandersetzung verstiegen haben, wieder Wege gewie-

         sen zu bekommen, die sie nicht abstürzen, sondern den

         Gipfel erklimmen lassen. Wer seinen Stolz und seine Äng-

         ste fahren lässt, wird da am ehesten weiterkommen.

 

Ein großer Lehrer wurde von seinen Schülern gefragt: "Welches ist

         der wichtigste Gedanke, den wir denken können?" Der

         Meister antwortete: "Der wichtigste Gedanke ist der des

         Friedens."

         "Und welches ist das wichtigste Wort, das wir ausspre-

         chen können?" "Das wichtigste Wort ist das des Verzei-

         hens", belehrte der Gefragte seine Schüler.

         "Und welches ist die wichtigste Tat, die wir verrichten

         können?" "Die wichtigste Tat ist die Versöhnung."

 

Amen.

 

© Kurt Rainer Klein

 

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