Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis (13.08.2017 Schornsheim/Udenheim)

 

Predigt

 

Ich will

dir

mit

meiner Predigt

 

nicht

den Kopf waschen,

 

nicht

die Leviten lesen,

 

nicht

den Marsch blasen,

 

sondern

 

dir 

Ermutigung schenken,

 

dir

Freiheit aufzeigen,

 

dich

in Bewegung setzen.  

 

Kurt Rainer Klein

 

 

Bibeltext:  Matthäus 7,24-27 

 

Matthäus 7,

24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.

25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.

27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.

 

 

 

Predigt: Vertrauen statt Sicherheit!  

 

Felsenfestes Vertrauen

 

1

 

Jesus erzählt seinen Zuhörern ein Gleichnis: Da baut einer ein Haus und gründet es auf einen festen Untergrund. Das Fundament ist stabil und verleiht dem Haus seine Standfestigkeit. Da fällt nun ein heftiger Platzregen. Die Wasser umspülen die Mauern und die Winde rütteln an seinem Dach. Auch wenn es schebbert und kracht, die Fensterläden wackeln und der Wind durch die Ritzen pfeift. Doch es passiert nichts. Das Haus, auf festen Grund gebaut, hält stand.

 

Einem Anderen ergeht es weitaus schlechter: Er hat beim Bau seines Hauses nicht auf das Fundament geachtet. Vielleicht hat er ein günstiges Grundstück erworben oder wollte an einem Ort bauen, wo die Aussicht besonders schön war. Dann aber fällt ein heftiger Platzregen. Die Wasser umspülen die Mauern und die Winde rütteln an seinem Dach. Und siehe da, das Haus gerät in Schieflage und stürzt ein. Denn er hatte auf Sand gebaut.

 

Das ist ein Bild, das Jesus gebraucht. Das Bild vom Hausbau und vom richtigen Fundament. Was will Jesus damit sagen, was will er seinen Zuhörern klarmachen?

 

Wer sein Haus auf ein festes Fundament baut, sagt Jesus, der gleicht einem klugen Mann bzw. einer klugen Frau. Wer sein Haus aber auf Sand gebaut hat, der ist ein törichter Mensch. Das leuchtet uns ein. Dieses Bild verstehen wir und wir können diesen Gedanken nachvollziehen.

Ein Haus braucht ein festes Fundament. Das ist unbestritten. Denn nur so kann es Wasser und Wind standhalten. Nur so kann man darin auch bei Extremwettern darin wohnen.

 

Mit diesem einleuchtenden Bild schließt Jesus seine berühmte Bergpredigt ab. Und diesen Bezug zu seinen Worten vorher stellt er dadurch her, dass er sagt: „Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann“, einer klugen Frau. „Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten“ Menschen. Das ist also, was Jesus uns sagen will: Es kommt auf das Hören und Tun seiner Worte an.

 

2

 

Erinnern wir uns an das, was Jesus in seiner Bergpredigt sagt:

 

Da spricht Jesus vom Almosengeben. Er weist darauf hin, dass man sich damit nicht öffentlich brüsten soll, wie spendabel man ist. Man soll es im Verborgenen tun und nicht vor anderen Leuten. Man soll es tun, um zu helfen und nicht um damit anzugeben. „Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.“ Nur jemand mit Humor kann so eine Übertreibung aussprechen. Wie soll das gehen, dass ich etwas mit einer Hand tue und die andere Hand bekommt davon nichts mit.

 

Das Sorgen ist ein anderes Thema, zu dem Jesus etwas zu sagen hat. Jesus weiß darum, dass wir oft kleinmütig sind und uns zuviel Sorgen machen. Sorgen lähmen und nehmen uns die Luft zum Atmen. Da, sagt Jesus, schaut auf die Vögel unter dem Himmel. „Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ Also, meint Jesus, wenn ihr ein bisschen mehr auf Gott vertraut, dann werden eure Sorgen kleiner und unbedeutender. Dann habt ihr mehr Luft zum Leben.

 

Ein weiteres Thema ist das Richten, von dem Jesus spricht. „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“, sagt er. Wie oft sind wir schnell im Urteilen über andere. Wir wissen es besser, ohne die Hintergründe wirklich zu kennen. Wir verurteilen vorschnell, was wir nicht verstehen. Und tun damit so manchem Unrecht. „Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?“ Mit einer Prise Humor sagt Jesus, dass wir uns mehr um unsere eigenen Schwächen als anderer Fehler kümmern sollen.

 

3

 

Es ist nun an der Zeit zu fragen, ob wir unser Leben auf festen Grund oder auf Sand gebaut haben? Das ist schwer zu sagen. Wodurch kommt es, dass wir Christen auf die Stürme des Lebens, denen wir ausgesetzt sind, so unterschiedlich reagieren? Da mögen die Häuser von außen betrachtet ohne Unterschied scheinen und ihre Fassade glänzen. Und trotzdem: Da ist der Eine, der gefestigt diesen Stürmen des Lebens trotzt und sich nicht entmutigen lässt. Und da ist der Andere, der bis ins Mark hinein erschüttert wird und wankt und fällt. 

 

An Tagen, an denen die Sonne scheint, mag das Fundament unseres Lebens egal sein. Aber in Zeiten, da es stürmt und uns der Wind ins Gesicht weht, wo wir in Schwierigkeiten sind und zweifeln, wie es weitergeht, da fragen wir, was unserem Leben Halt und Zuversicht gibt. Wir sehen, wie die einen einknicken wie ein Kartenhaus und ihren Lebensfreude verlieren. Wir sehen, wie Pläne über den Haufen geworfen werden müssen und Rechnungen nicht aufgehen. Wir sehen, wie Sicherheiten, an die man geglaubt hat, wie Sand durch die Hände rieseln.

 

Und dann sehen wir Menschen, die scheinbar nichts erschüttern kann. Die trotz all dem, was schief geht, guten Muts sind. Die nach vorne schauen und die Zuversicht in ihrem Herzen behalten. Die sich ihre Lebensfreude nicht vermiesen lassen. Vielleicht, weil sie Menschen um sich wissen, die zu ihnen stehen, wenn es schwierig wird. Die die Erfahrung gemacht haben, dass sie nie allein sind und ein gutes Wort oder eine tröstende Geste ihnen Halt und Kraft gibt. Die im Grunde drauf vertrauen, dass nach Regen wieder die Sonnenschein kommt.

 

Wer sein Haus auf Sicherheiten baut, wird bald erfahren, dass er auf Sand gebaut hat. Weil es keine Sicherheiten gibt. Nichts, was wir haben, ist sicher vor Rost und Motten, sagt Jesus. Wer sein Haus stattdessen auf felsenfestes Vertrauen baut, wird erfahren, wie sein Vertrauen in den Stürmen des Lebens zwar schwanken kann. Aber letztendlich wird es halten, weil man sich in seinem Vertrauen gehalten weiß. Sicherheiten zerbrechen in den Lebensstürmen, Vertrauen aber bewährt sich darin und macht einen gewiss, dass wir gehalten und getragen sind.

Amen.

 

© Kurt Rainer Klein

 

Vielleicht haben Sie
eine Anregung zur Predigt
oder eine Ergänzung
oder eine Frage ...
... mailen Sie uns einfach an.
Email-Feedback