Predigt zum Sexagesimae (04.02.2018 Schornsheim/Udenheim)

 

Predigt

 

Ich will

dir

mit

meiner Predigt

 

nicht

den Kopf waschen,

 

nicht

die Leviten lesen,

 

nicht

den Marsch blasen,

 

sondern

 

dir 

Ermutigung schenken,

 

dir

Freiheit aufzeigen,

 

dich

in Bewegung setzen.  

 

Kurt Rainer Klein

 

 

Bibeltext:  Jesaja 55,10-12     

 

JESAJA 55

10 Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht

wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie

fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen, zu säen, und Brot,

zu essen, 11 so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein:

Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was

mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

12 Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet

werden. Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen

und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen.

 

 

 

Predigt:

 

Regen und Schnee fallen vom Himmel auf die Erde. Das ist eine Na-

         turgegebenheit, die unter bestimmten physikalischen Be-

         dingungen eintritt. Aus Wolken über uns fällt der Regen

         oder Schnee herab. Das ist ein unumkehrbarer Prozess.

         Das ist so eindeutig wie: Eine Mutter gebiert ein Kind -

         und nicht umgekehrt. Ein Meister bildet einen Lehrling

         aus - und nicht umgekehrt. Eine Lehrerin lehrt einen

         Schüler - und nicht umgekehrt. Ein Mensch spricht ein

         Wort - und nicht umgekehrt.

        

         Wenn Regen oder Schnee vom Himmel fällt, dann wird er

         die Erde feuchten und sie fruchtbar machen. Der Samen im

         Boden braucht dieses Wasser, um seine Kraft zu entfalten

         und zu wachsen. Ohne die Feuchtigkeit in flüssiger Form,

         ob als Regen oder Schnee, würde die Erde austrocknen und

         kein Halm könnte aus der Erde emporwachsen. Dürre wäre

         die unausweichliche Folge. Die erhoffte und nötige Ernte

         wäre verloren. Was ist ein Säugling ohne seine Mutter,

         was ein Lehrling ohne seinen Meister, was ein Schüler

         ohne seine Lehrerin, was ein Wort ohne seinen Sprecher?!

        

         Natürlich ist auch mancher Regen oder Schnee umsonst.

         Wenn das Nass auf asphaltierte Straßen oder zubetonierte

         Plätze trifft, kann er seine wachstumsfördernde Wirkung

         nicht entfalten: Es kann nicht eindringen in die Erde,

         um sie fruchtbar zu machen und Pflanzen zum Wachsen an-

         zu regen. Stattdessen darf man sich nicht wundern, wenn

         der Regen oder Schnee im Übermaß zu Überschwemmungen und

         Überflutungen führt, die für uns Menschen verheerende

         Auswirkungen haben. Wenn ein Kind nicht seinen Eltern

         gehorcht, wo ein Lehrling nicht auf seinen Meister hört,

         wo ein Schüler taube Ohren für seine Lehrerin hat, da

         ist alle Mühe vergeblich und ohne Erfolg.

 

         Eine Mutter hat die allerbesten Absichten im Blick auf

         ihr Kind. Sie möchte es so erziehen, dass es lebensfä-

         hig wird, eines Tages auf eigenen Beinen steht und ein

         gelingendes Leben führt. Ein Meister möchte seinem Lehr-

         ling das beibringen, was er braucht, um sein Handwerk

         später verantwortungsvoll und eigenständig auszuführen,

         so dass er eine gute Arbeit abliefert und das, was er

         tut, auch Hand und Fuß hat. Eine Lehrerin möchte ihren

         Schülern etwas mit auf den Lebensweg geben, was ihnen

         hilft, das Leben zu bewältigen und zu meistern. Ob Mut-

         ter oder Meister oder Lehrerin - sie haben die allerbes-

         ten Absichten, geben sich die größte Mühe und hoffen,

         dass ihre Worte auf fruchtbaren Boden fallen und Früchte

         tragen, das heißt, dass ihre Bemühungen gehört, verstan-

         den und beherzigt werden.

 

         Der Prophet Jesaja gebraucht das Bild vom Regen und vom

         Schnee, die das Land befeuchten und es fruchtbar machen,

         um das Wort Gottes zu deuten. Wie Regen oder Schnee vom

         Himmel fällt, so kommt das Wort Gottes zu seinen Men-

         schen. Und es kehrt - wie Regen oder Schnee - dahin auch

         nicht wieder zurück. Das Wort Gottes will die Müden stär

         ken, die Geknickten aufrichten, die Traurigen ermutigen,

         die Resignierten aufmuntern, die Gescheiterten mit neuem

         Lebensmut beschenken. Wie Regen oder Schnee in die Erde

         einsickert, will das Wort Gottes in die Herzen seiner

         Menschen eindringen und sie mit Hoffnung und Zuversicht

         begaben.

 

         Wer wünscht sich das nicht: Erfolg! Dass der Regen und

         Schnee das Erdreich befeuchte und zu einer guten Ernte

         führe. Unsere Konfirmanden wünschen sich, in der Schule

         gute Noten und einen guten Lernfortschritt. Jeder, der

         sich ehrenamtlich engagiert, möchte geachtet werden und

         freut sich über jedes Dankeschön. Die Älteren unter uns

         möchten noch gebraucht werden und dazu gehören. Wir alle

         haben ein Interesse daran, dass nicht umsonst ist, was

         wir tun. Dass unser Bemühen auf fruchtbaren Boden fällt,

         wie der Regen oder Schnee. Dass ankommt, was wir aussen-

         den.

 

Jemand erzählte:

>Es war ein unerträglich schwüler Augustnachmittag in New York. Es

         herrschte jene schweißtreibende Wetterlage, die den Men-

         schen Unbehagen bereitet und sie reizbar macht. Auf dem

         Rückweg ins Hotel stieg ich an der Madison Avenue in ei-

         nen Bus, dessen Fahrer mich verblüffte. Es war ein Far-

         biger mittleren Alters, der ein strahlendes Lächeln zeig

         te und mir beim Einsteigen ein freundliches "Hi, wie

         geht's?" entgegenrief; ein Gruß, den er jedem neuen Fahr

         gast entbot, der auf der Fahrt durch den dichten Innen-

         stadtverkehr einstieg. Alle waren genauso verblüfft wie

         ich, und in der vorherrschenden mürrischen Stimmung ge-

         fangen, gab kaum einer den Gruß zurück. Doch während

         sich der Bus durch die Straßen vorwärts schob, vollzog

         sich eine allmähliche, ganz wundersame Verwandlung. Der

         Fahrer lieferte uns einen ständigen Monolog, einen an-

         regenden Kommentar zu dem Geschehen, das an uns vorüber-

         glitt: "In dem Geschäft da kauft man ungeheuer günstig.

         In diesem Museum ist eine wundervolle Ausstellung zu se-

         hen! Haben Sie schon von dem neuen Film gehört, der in

         dem Kino da drüben gerade angelaufen ist?"

         Die vielfältigen Möglichkeiten, die die Stadt bietet,

         entzückten ihn, und das war ansteckend. Als es ans Aus-

         steigen ging, hatten alle die mürrische Schale, mit der

         sie eingestiegen waren, abgeworfen, und wenn der Fahrer

         ihnen "Bye-bye, viel Spaß heute!" zurief, lächelten

         sie zurück.<

 

Mit Beharrlichkeit und guter Laune hat dieser Busfahrer die Her-

         zen der Menschen erreicht. Auf diese Weise hat er aus ge-

         reizten Menschen fröhliche Zeitgenossen gemacht. Ach,

         wenn uns doch Gottes Wort so erreichen würde, dass aus

         mürrischen Menschen gelassene würden, dass aus betrübten

         Seelen erheiterte würden, dass sich ein trauriges in ein

         fröhliches Herz verwandelt, dass aus einem müden Geist

         ein wacher wird.

 

Amen.

 

© Kurt Rainer Klein

 

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