Predigt zum 2. Sonntag im ADVENT (9.12.2018 Schornsheim/Udenheim)

 

Predigt

 

Ich will

dir

mit

meiner Predigt

 

nicht

den Kopf waschen,

 

nicht

die Leviten lesen,

 

nicht

den Marsch blasen,

 

sondern

 

dir 

Ermutigung schenken,

 

dir

Freiheit aufzeigen,

 

dich

in Bewegung setzen.  

 

Kurt Rainer Klein

 

 

Bibeltext:  Jesaja 35,3-10       

 

Jesaja 35,

3 Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie!

4 Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.«

5 Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden.

6 Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande.

7 Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen.

8 Und es wird dort eine Bahn sein und ein Weg, der der heilige Weg heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie werden auf ihm gehen; auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren.

9 Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen.

10 Die Erlösten des Herrn werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.

 

 

Predigt: Ermutigung tut gut!

 

 

Wer sich gerade in einer unguten Lage befindet, dem kann es schon

         helfen, wenn er seinen Blick auf eine erfreuliche Sache

         richtet. Denn solch ein Blick, der über das miserable

         Jetzt hinausgeht, vermag sich eine bessere Zeit vorzu-

         stellen. Diese Vorstellung wiederum von einer besseren

         Zukunft lässt in der ungünstigen Jetztzeit die Hoffnung

         wachsen und stärkt die Widerstandskräfte. Mit der Aus-

         sicht auf ein angenehmeres Morgen werden die Zumutungen

         des Heute erträglicher. Mit dem Gedanken, dass man sich

         bald wieder freuen kann, wird der momentane Schmerz er-

         träglicher.

 

         So spricht der Prophet Jesaja hinein in die Bedrückung,

         die sein Volk gerade erlebt. Er weiß, was sein Volk in

         solch einer Lage am meisten braucht: "Stärket die müden

         Hände und macht fest die wankenden Knie. Saget den ver-

         zagten Herzen: >Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht,

         da ist euer Gott<" Anstatt seinen Kopf hängen lassen und

         mit schlotternden Knien dazustehen, ermutigt der Prophet

         auf Gott zu schauen. Das ist die stärkste Kraft, die ei-

         nen ermutigen kann. Mit dem Blick auf Gott schaut man

         über die momentane Bedrückung hinaus. Und es erwächst in

         diesem Blick eine ungeahnte Hoffnung.

 

         Wenn es draußen schneit und die Temperaturen weit unter

         dem Gefrierpunkt lassen einen frösteln, dann fällt es

         schwer, sich einen warmen Sommertag vorzustellen, an dem

         man leicht bekleidet dennoch schwitzt. Wer mit einem

         Gipsbein auf Krücken geht, tut sich schwer mit dem Ge-

         danken, dass er bald wieder springen wird. Wessen Herz

         durch einen Schmerz gerade schwer geworden ist, wie soll

         sich der oder die hineinversetzen können, dass man bald

         wieder fröhlich seinen Tag genießt?! Das ist gerade da-

         rum nicht einfach, weil das, was jetzt ist, uns glauben

         machen will, dass es immer so sein muss - wie jetzt.

        

         "Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die

         Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann werden die Lahmen

         springen wie ein Hirsch und die Zunge der Stummen wird

         frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervor-

         brechen und Ströme im dürren Lande." Das ist ein Blick,

         der die Sehnsucht des Menschen in Bilder ausdrückt und

         eine Hoffnung zur Sprache bringt, die alle Bedrückung in

         der Gegenwart erträglicher werden lässt. Das ist die Er-

         mutigung, die wir brauchen, wenn uns der nächste Schritt

         schwer fällt. Das ist die Kraft, die müde Hände neu be-

         lebt und wankenden Knien Standfestigkeit gibt. 

 

Ermutigung fällt nicht wie Schneeflocken so einfach vom Himmel.

         Ermutigung kommt in Menschen daher, die mir einfühlsam

         und mitfühlend begegnen. Was hilft es mir, wenn ich mich

         in einer miesen Lage befinde, und jemand hält mir vor,

         dass ich selbst daran schuld bin. Was hilft es mir, wenn

         hinter meinem Rücken mein Schicksal zum Gesprächsstoff

         des Tratsches wird. Was hilft es mir, wenn andere meinen

         dass ihnen mein Schicksal nicht passieren könnte. Was

         ich brauche in schwierigen oder scheinbar aussichtslosen

         Situationen ist Ermutigung, die mich wieder auf die

         Beine stellt und mir Kraft zum Gehen verleiht.

 

         "Stärket die müden Hände und macht fest die wankenden

         Knie. Saget den verzagten Herzen: >Seid getrost, fürch-

         tet euch nicht! Seht, da ist euer Gott.<" Das ist die

         Aufgabe der Starken gegenüber den Schwachen: zu trösten

         und zu ermutigen, zu stärken und zu festigen, Hoffnung

         zur Sprache zu bringen und einfühlsam Mitgefühl zeigen.

         Dann werden die Bedrückten unter uns spüren, dass der

         Schmerz und das Seufzen weichen. Denn Freude und Wonne

         werden zurückkehren. Aus den Müden werden Starke werden.

         Die Bedrückten und Traurigen werden sich in Erlöste ver-

         wandeln und aufblicken zu ihrem Gott.

        

         In diesen Tagen der Adventszeit spüren wir eher als

         sonst im Laufe des Jahres eine gewissen Spannung. Die

         Spannung zwischen der Verheißung eines besseren Lebens

         und dem noch Unerfüllten unseres Daseins. Wir sehnen uns

         nach Frieden unter den Menschen - und erleben, dass es

         uns selbst schwerfällt, einen friedlichen Ton anzuschla-

         gen. Wir sehnen uns nach Toleranz zwischen den Menschen-

         und erleben, dass es uns selbst schwerfällt, über unse-

         ren eigenen Schatten zu springen. Wir sehnen uns nach

         Barmherzigkeit für Menschen - und erleben, dass es uns

         selbst schwerfällt, dem Guten nachzugeben.

 

         Im Advent haben wir die Gelegenheit, unsere Sehnsucht

         stärker zu spüren. Wir haben auch in dieser Zeit die

         Chance, unsere Sehnsucht auszurichten. Nämlich in Rich-

         tung Weihnachten. Genauer gesagt auf das Kind, das in

         Bethlehem zur Welt kommt und uns an Weihnachten berührt.

         Im Advent gilt es, seinen Blick zu erheben und festzu-

         stellen: Weihnachten ist nicht erst, wenn wir ausgelaugt

         u. am Ende mit unseren Kräften sind. Weihnachten wird es

         weil Gott in einem Kind Mensch geworden ist. Wer da hin

         schaut, in die Krippe im Stall zu Bethlehem, dem wird

         bewusst, dass dieses Kind uns zu ermutigen vermag.

 

Amen.

 

© Kurt Rainer Klein

 

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