Predigt zum Sonntag Laetare (31.03.2019 Schornsheim/Udenheim)

 

Predigt

 

Ich will

dir

mit

meiner Predigt

 

nicht

den Kopf waschen,

 

nicht

die Leviten lesen,

 

nicht

den Marsch blasen,

 

sondern

 

dir 

Ermutigung schenken,

 

dir

Freiheit aufzeigen,

 

dich

in Bewegung setzen.  

 

Kurt Rainer Klein

 

 

Bibeltext:  Johannes 6,48-51      

 

Johannes 6,

48 Ich bin das Brot des Lebens.

49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.

50 So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben.

51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.

                                                                                                          

 

Predigt: Brot vom Himmel! 

 

Was brauchen wir zum Leben? Ein Dach über dem Kopf, angemessene Kleidung, Essen und Trinken, das Hunger und Durst stillen. Reicht uns das für das tägliche Leben? Nun, eine Beschäftigung wäre ganz gut. Ein Arbeitsplatz, damit man sich seinen täglichen Unterhalt  verdienen kann. Ja, möglichst eine Arbeit, die einem auch Spaß macht. Und wer das Berufsleben hinter sich hat, möchte gerne noch gebraucht werden und etwas zu tun haben. Ehrenamtliches Engagement kann einen sehr erfüllen. Familie wäre auch ganz schön, wo man sich zuhause fühlt und füreinander da ist. Und Freunde natürlich, die einen verstehen und mit denen man gemeinsam etwas unternehmen kann. Vielleicht ist auch wichtig, wie man wohnt und wie man sich kleidet. Internetanschluss, das braucht es heute, ein Smartphone zur Kommunikation rund um die Uhr in die ganze Welt. Ein Urlaub an anderem Ort wäre ganz gut. Ab und zu mal ins Konzert gehen oder eine Bilderausstellung besuchen oder ein Fußballspiel im Stadion. Oder selbst Sport treiben in irgendeiner Form, um noch fit und gesund zu bleiben. Ja, Gesundheit, ist das nicht das Wichtigste im Leben?!

 

Was brauchen wir zum Leben? „Eure Väter haben in der Wüste das Mann gegessen und sind gestorben“, sagt Jesus. Es war, als Mose die Israeliten aus der Gefangenschaft in Ägypten herausgeführt hatte. Das Volk zog durch die Wüste. Und wovon sollten sie leben? Wovon sollten sie sich ernähren, um nicht umzukommen? „Da sprach der Herr zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinausgehen und täglich sammeln, was es für den Tag bedarf …“ Manna ist das, was ein Tamariskenstrauch abgibt. Und wir können uns Manna etwa so wie Popcorn vorstellen. Das Volk sollte jeden Tag das  Manna in der Wüste sammeln - und zwar nur so viel, wie es für den Tag brauchte. Wir können uns vorstellen, was das bedeutete: Jeden Tag die Frage und Ungewissheit, ob es für den Tag reichen wird, um zu überleben. Dem Volk wurde Vertrauen zu Gott abgerungen. Eine Vorratshaltung war nicht möglich, weil das Manna verderblich war. So blieb jeder Tag eine neue Herausforderung. Und jeden Tag war das Volk herausgefordert, seinem Gott zu vertrauen, dass er genügend Brot vom Himmel regnen lassen würde. 

 

Was brauchen wir zum Leben? Wer das Knurren seines Magens schon einmal vernommen hat, weiß, dass das ein körperliches Signal für Hunger ist. Hunger kann wirklich schrecklich sein. Das unwiderstehliche Schreien eines Säuglings alarmiert in uns alle Sinne. Weil der Säugling nicht weiß, ob er je wieder etwas zu essen bekommen wird, und doch auf Nahrung  angewiesen ist, um zu überleben, zieht er alle Register, um sich bemerkbar zu machen und sein Ziel zu erreichen. Und das ist eben: etwas zu essen zu bekommen. Wenn wir in den Nachrichten Berichte aus Krisengebieten sehen, begegnen uns Hungernde, die unterernährt und abgemagert sind. Jedes Hungergefühl erinnert uns daran, dass wir nicht aus uns selbst heraus leben, sondern auf Nahrung angewiesen sind. Jetzt in den Fastentagen verzichtet der eine oder andere auf die Zunahme von Nahrung. Mancher für eine gewisse Zeit vollständig und nimmt nur Flüssigkeit zu sich unter dem Gesichtspunkt des Heilfastens. Doch früher oder später heißt es, wieder zum Essen zurückzukehren, um seinen Körper mit Brot und Nahrung am Leben zu erhalten.

 

Brot ist aber nicht nur dazu da, uns sattzumachen. Von einem alten Bäcker in Paris wird erzählt, dass er in seinem Laden einem bedrückt aussehenden Menschen begegnet ist. Als er diesen bedrückten Menschen nach seiner Bedrückung fragte, erfuhr er, dass dessen vierjährige Tochter einen Unfall hatte. Das machte den einfühlsamen Bäcker nachdenklich. Daraufhin nahm der alte Bäcker ein Brot aus seinem Regal, brach zwei Stück davon ab und gab das eine Stück dem Bedrückten und sprach: "Essen Sie mit mir - ich will an Sie und Ihre kleine Tochter denken." Beide aßen ihr Brot, dachten an das Mädchen und schwiegen miteinander. Und so waren sie in Gedanken ganz nah beieinander und in ihren Herzen verbunden.

 

Wenn wir miteinander das Abendmahl feiern, dann ist Brot eine wichtige Gabe. Nicht zum Sattwerden, sondern zum Vergegenwärtigen und Erinnern. Wir kommen zu diesem Mahl mit unseren Freuden und Sorgen. Dann stehen wir da im Halbkreis vor dem Altar und empfangen Brot und Wein. Das Brot teilen wir miteinander, so wie wir unsere Sorgen und Nöte, unsere Freuden und Hoffnungen gerne mit anderen Menschen teilen. Vielleicht erinnern wir uns dabei an das eine oder andere Wort, das Jesus uns zuspricht wie "Kommet alle her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken." Oder "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." Oder "Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern." So vergegenwärtigen wir Christus, der uns zum Brot des Lebens wird, das uns zum Leben gereicht.

 

Was brauchen wir zum Leben? „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist“, sagt Jesus. Was wir zum Leben brauchen, ist vor allen Dingen Vertrauen. Vertrauen, dass jemand das Leben mit uns teilt. Dass jemand da jemand ist in unseren schwierigen Zeiten, der uns dann tröstet und aufmuntert. Und wir nicht alleine bleiben. Dass jemand da ist, wenn uns „hungert und dürstet nach Gerechtigkeit“, der uns ein gangbaren Weg gehen lässt. Und wir nicht in die Irre gehen. Das jemand da ist, der uns das Gute gönnt und uns allezeit stark macht für das Leben. Wir brauchen das Vertrauen, in guten wie in schwierigen Zeiten. Vertrauen, das gegen alle Ängste und Zweifel auftritt. Vertrauen, das uns nährt mit dem, was wir zum Leben brauchen. Vertrauen, das uns das „lebendige Brot vom Himmel“ schmecken und dabei satt werden lässt. 

 

Amen.

 

© Kurt Rainer Klein

 

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